Wissenswert...

Eine klare Abgrenzung zwischen Verhaltensstörungen und störendem Verhalten ist nicht nur definitionsgebunden, sondern ebenso durch einen Fachmann individuell zu treffen. So sind die meisten Verhaltensauffälligkeiten zwar für das Tier normale Verhaltensweisen, für den Halter jedoch verständlicher Weise spätestens dann sehr störend wenn dadurch Sachschäden oder gar Verletzungen entstehen.

 

Wirft ein Pferd beispielsweise seinen Reiter ab, kann dies durch Erschrecken oder Schmerzen verursacht gewesen sein. Buckeln ist zunächst nichts weiter als ein "pferdischer" Ausdruck für z. B. Lebensfreude oder Bewegungsmangel. Bei echten Verhaltensstörungen handelt es sich jedoch um Verhaltensabläufe, die in freier Wildbahn nicht beobachtet werden können, dazu zählen unter anderem diverse Formen von Stereotypien.

 

Einige Störungen haben durchaus eine positive Wirkung, in dem sie für das Tier eine Bewältigungsstrategie darstellen, mit Umgebungssituationen fertig zu werden, die sein Anpassungsvermögen überfordern. Dieser Zustand sollte allerdings maximal vorrüber-gehend der Fall sein, besser gesagt natürlich überhaupt nicht aber es kommt nun mal vor.

 

Während so manche Verhaltensstörung teilweise residual-reaktiv ist, lässt sich störendes Verhalten in der Regel mit entsprechender Fachkenntnis korrigieren. In Angriff genommen werden sollte somit jede Form von Verhaltensauffälligkeiten, da weder Mensch noch Tier langfristig mit solchen Belastungen leben sollte.

 

Der Mensch sucht sich oft erst dann Hilfe, wenn er selbst emotional betroffen ist, z. B. wenn Konflikte zwischen mehreren Haustieren in lautstarken Auseinandersetzungen ausgetragen werden. Viele Konflikte werden aber auch recht unauffällig ausgetragen durch den Einsatz subtiler körpersprachlicher Drohungen wie etwa durch fixieren des Artgenossen oder blockieren von Durchgängen. Derartiges "Mobbing" kann zu Dauerstress führen, welcher sich über kurz oder lang auf die Gesundheit des unterdrückten Artgenossen auswirken kann. Also ist auch in solchen Fällen die schnelle Konsultation eines Tierpsychologen wichtig.

 

Aus gesundheitlicher Sicht richtet es im Übrigen überhaupt keinen Schaden an, sein Haustier wie ein Kind zu behandeln. Aber für einen Hund beispielsweise ist es weitaus verständlicher und weniger enttäuschend oder gar beängstigend, wenn nicht immer all seine Wünsche sofort erfüllt werden. Im Grunde erwartet er sogar, dass die "Rudelführer" nicht auf jede seiner Gesten reagieren.

 

Kurz gesagt funktionieren die Sozialverbände bei Hunden anders und sie finden es weder besonders überraschend, noch verstört es sie

wenn ihre Menschenfamlie auch eher wie ein Hunderudel funktioniert.

Bei Tieren ist das Ausdrucksverhalten die erste Sprache und die Vokalisation die Zweite, bei Menschen genau anders rum. Tierkinder werden spielerisch und konsequent erzogen, während menschliche Prägungen oft über Gewalt ablaufen. Massive Strafen bedeuten für Tiere jedoch eine zusätzliche Bedrohung und verstärken ihre Abwehr in der nächsten Konfliktsituation. Ein Teufelskreis entsteht, Verhaltensauffälligkeiten schleichen sich ein.

 

Grundsätzlich haben alle Tiere gesellige Neigungen, auch die zu den Einzelgängern zählende Hauskatze. Je früher eine junge Katze von ihrer Familie getrennt wird und anschließend zu lange auf weitere Kontakte mit Artgenossen verzichten muss, desto schwieriger wird später eine Vergesellschaftung. Deshalb sind bei der Anschaffung von jungen Katzen in der Regel mindestens gleich zwei Katzen besser als eine. Zum Beispiel Wurfgeschwister. Wertvoller Tipp, sollten Sie wirklich nur eine Katze halten möchten: Potenzielle Einzelkatzen sind zu genüge in Tierheimen zu finden und sollten in diesem Falle bevorzugt anstelle einer jungen Katze aufgenommen werden. Nehmen Sie einer jungen Katze nicht von Anfang an die Chance auf eine artgerechte Lebensweise sondern bieten Sie statt dessen lieber einem genau so tollen, erwachsenem Tier ein neues zu Hause!

 

Alle hier gemachten Angaben sind ausdrücklich NICHT pauschal zu betrachten. In jedem Fall ist die Individualität zu sehen. Die Persönlichkeit des jeweiligen Haustieres und viele weitere Aspekte sind für jeden einzelnen Therapieansatz und in jedem noch so unterschied-lichem Umfeld unbedingt von einem Fachmann zu beurteilen und zu berücksichtigen!